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Archiv 2009

Paddeln im vorigen Jahrhundert - Teil 3 / Schwierigkeitsbewertung

Schwierigkeitsbewertung 1930

  1. Langsam ziehender Strom der nur mäßig fördert und Paddelarbeit wünschenswert macht. Beispiel: Niederrhein.
  2. Rascher fließender Fluß bis höchstens 6 km-Std.; abgesehen vom Stau der Wehre usw. kommt man auch ohne Paddelarbeit ordentlich voran. Gefahren des Stroms auf Grund der Geschwindigkeit liegen nicht vor. Beispiel: Main.
    Zu I. und II.: fließendes Wasser nicht über 6 km-Std.; im Bedarfsfall kann durch Gegenpaddeln vollständig gebremst werden.
  3. Geschwindigkeit 7 km und mehr. Weder die vertikale Bewegung des Wasserspiegels, noch der Flußgrund, noch die Landung bieten erhebliche Schwierigkeiten. Als Anfangstour auf Wildwasser brauchbar. Beispiel: unterer Inn bei Mittelwasser.
  4. Schwierigkeiten beträchtlicher als bei III.; als Anfangstour nur unter Führung möglich. Erprobte Fahrer können die Tour allein unternehmen. Beispiel: Thone bei Mittelwasser.
    Zu III. und IV.: befahrbares Wildwasser für weniger Geübte.
  5. Ziemlich gefährlich: unterhöhlte Felsen, scharfe Ecken, hoher Schwall, steile Rutschen, Drehwirbel usw. Kentergefahr auch für erprobte Fahrer nicht von der Hand zu weisen; daher Fahrt nur in Gruppen zu empfehlen. Beispiel: Lech oder Enns bei Normalwasser.
  6. Gefährlich! Kenterung ist sehr wohl möglich, Verlust des Bootes ebenso; die Fahrt stellt auch für den erfahrenen Sportsmann ein Risiko dar. Beispiel: Lech bei Hochwasser.
    Zu V. und VI.: befahrbares Wildwasser für erprobte Fahrer.
  7. Ganz vereinzelt ist die Tour schon gemacht und glücklich beendet worden; indes ist die Strecke unbedingt zu widerraten. Beispiel: oberer Inn ab Landeck.
  8. Sicherer Untergang. Beispiel: oberste Reuß bis Ernstfeld.
    Zu VII. und VIII.: unbefahrbares Wildwasser.

(Quelle: Gewässer des europäischen Auslands mit Kartenskizzen, 1930, Stromheil / DKV, Band 7)



Wehrbefahrung und Hochwasser, Federzeichnungen von Toni Schönecker von 1923

Schwierigkeitstabelle 1952

I = l e i c h t
Fallweise kleine Schwälle mit regelmäßigen, meist niedrigen Wellen. Leichte Erkennbarkeit der zweckmäßigen Fahrbahn, auf deren Einhaltung wegen bestehender Hindernisse, wie Sandbänke, Brückenpfeiler, Uferbauten und dergleichen - besonders bei schmalen Flüssen -, zu achten ist.

II = m i t t e l s c h w i e r i g
Häufiger vorkommende Schwälle mit meist noch regelmäßiger Wellenbildung, nicht schwierig zu überwindende Wirbel und Kehren. Zweckmäßige Fahrbahn im allgemeinen leicht erkennbar. Leichte und mittelschwere Floßgassen.

III = s c h w i e r i g
Zahlreiche Schwälle mit höheren, unregelmäßigen Wellen, Brechern, Wirbeln und Kehren. Zweckmäßige Fahrbahn nicht immer leicht erkennbar. Schwierige Floßgassen.

IV = s e h r s c h w i e r i g
Lang ausgedehnte Schwallstrecken mit hohen, unregelmäßigen Wellen, schwierigen Brechern, schwierigen Wirbeln und scharfen Kurven. Zweckmäßige Fahrbahn oft schwierig zu erkennen, daher Besichtigung vom Land aus sehr empfehlenswert. Schwierigste Floßgassen.

V = ü b e r a u s s c h w i e r i g
Lange, ununterbrochene Schwallstrecken mit schwierigen, ganz unregelmäßigen Brechern, überronnene Blöcke, die überfahren werden müssen, schwierigste Wirbel- und Kehrenbildungen bei oft außerordentlich großer Strömungsgeschwindigkeit. Vorübergehende Besichtigung vom Land aus mitunter unerläßlich.

VI = ä u ß e r s t s c h w i e r i g
Steigerung aller genannten Schwierigkeiten bis an die Grenze des heute zu Bewältigenden.

(Quelle: Internationaler Fluss, Zelt und Wanderführer der Ostalpen, viersprachig, Tiroler Wassersport-Verein, Innsbruck 1952)



Armin Auer der 'Hausmeister von der Enns' in den 1990er Jahren im Gesäuseeingang

Die Enns als Beispiel für eine Schwierigkeitsbewertung aus dem Jahre 1952

Radstadt bis Mandlingpaß (89 km) WW I-II
Mandlingpaß (zirka 1 km) WW IV
Mandlingpaß bis Schladming (8 km) WW III
Schladming bis Gesäuseeingang (80,2 km) WW I
das Gesäuse (16 km): unterer Teil des Gesäuseeinganges und die Stufe von Gstatterboden WW VI, die übrige Strecke bis zur Kummerbrücke WW III-IV
Hartelsgabenbrücke bis Hieflau WW V
Hieflau bis Groß-Reifling (9,5 km) WW IV
Groß-Reifling bis Losenstein (51 km) WW III
Losenstein bis Mündung (56 km) WW II

Das Gesäuse 16 km, davon 500 m beim Gesäuseeingang und 3500 m zwischen der Kummer- und Hartelsgrabenbrücke unfahrbar, 7,3 Gefälle. Schwierigkeit: der zweite Teil des Einganges und die Stufe von Gstatterboden WW IV, die übrige Strecke bis zur Kummerbrücke WW III-IV. Hartelsgrabenbrücke bis Hieflau WW V. (Diese Angaben gelten bei mittlerem Wasserstand. Bei Hoch- oder Niederwasser sind diese Strecken fast durchwegs unbefahrbar.)

Achtung! Die Befahrung der Enns von zirka 5 km unterhalb Steyrs bis zur Mündung ist derzeit nicht möglich, da diese Flußstrecke die Demarkationslinie zwischen der amerikanischen und der russischen Besatzungszone Österreichs bildet. (Quelle: Internationaler Fluss, Zelt und Wanderführer der Ostalpen, viersprachig, Tiroler Wassersport-Verein, Innsbruck 1952)

Bericht: Ilse Entner, 11/2006

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