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Archiv 2009

Paddeln im vorigen Jahrhundert - Teil 2 / Meilensteine im Bootsbau

Mitte der 1950er Jahre beginnt das 'Polyester-Boot-Zeitalter'

1955 - Baschin
Das erste fabriksmäßig hergestelltes Wildwasserboot aus Polyester. 1955 führte Herbert Baschin aus Stuttgart sein Boot erstmalig auf der Ammer vor. Ca. 3,75 m lang, 62 cm breit, über 20 kg schwer. Gebaut wurde das Kunststoffboot in der "Sandwich-Bauweise" in der Farbe rot mit weißen Streifen an der Naht. Ein formschönes Boot, wendig und schnell, mit guter Sitzanlage und Halt für die Knie. Verarbeitung und Material waren soweit o.k. und trotzdem standen die Faltbootfahrer dem Boot Anfangs kritisch gegenüber.



Foto links: Engelbert Krempel in einem Baschin-Boot auf der Ammer, 1959
Foto rechts: Ilse Entner in einem 'Selbstbauboot' auf der Koritnica, 1983

In weiterer Folge entstanden viele und zum Teil sehr gelungene Boote im Eigenbau.

Auch ich bin viele Jahre mit so einem Boot gefahren und war glücklich darüber dass Herr Thür – Bootsentwickler und –bauer aus Graz – regelmäßig im Herbst mein Boot zu einem Liebhaberpreis repariert und so für die nächste Saison wieder wildwassertauglich gemacht hat.

Ab den 1980er Jahren ging es dann rasant weiter in der Bootsentwicklung.

1980 - Topolino von Eskimo
Edmund Schnappinger entwickelte in Zusammenarbeit mit Holger Machatschek in Landsberg am Lech das 2,20 m kurze Topolino. Dieses revolutionäre Boot kann auch als das erste Spielboot der Welt gesehen werden. Das Topolino hat sich aber auch im schweren Wildwasser bewährt.



(Quelle: Das 'Paddel', Info Blatt für Wildwasserfahrer, 1983,
Herausgeber: Manfred Wallinger, Abtenau / Salzburg)

1982 - Taifun
Zuerst wurde dieses Wildwasser-Kajak noch traditionell in Epoxi (Epoxidharz) und Diolen gefertigt. Aber 1982 kam der Taifun von Prijon als erstes blasgeformtes HTP-Kajak auf den Markt.

Von Anfang an konnte man zwischen zwei Farben (orange und weiß) und drei Wandstärken wählen:

  • 4,5 mm Legere, für ruhige Strecken mit wenig Grundberührung
  • 5,5 mm Normal, der Allrounder
  • 7,5 mm Alpin, für die knochenharte Beanspruchung

Sein Gewicht variierte daher auch je nach Ausführung zwischen 18 und 28 kg. Mit einer Länge von 3,90 m wurde er als das 'Kurzboot' gefeiert.

Paddelausrüstung:
Paddel
Als ich Anfang der 1980er zu Paddeln begonnen hab gab es in Graz noch die Firma Faßl die Paddel mit Aluschaft und –kanten herstellte. Beim Kauf des Paddels musste ich mich hinstellen, die Hand hochheben und mit den Fingerspitzen die Alukante des Blattes erreichen. Das ergab für mich eine Paddellänge von 2,10 m bei einer Körpergröße von 1,72.

Kentersack und Spitzenbeutel
"Der Ende der sechziger Jahre vielgerühmte Kentersack ist umstritten. Es handelt sich um ein schlauchähnliches Gebilde aus nylonverstärktem Planenstoff, das am Süllrand festgemacht und an der Fußstütze befestigt wird. Darin sitzt man. Das Boot wird mit Vakuumwirkung abgeschottet - wenn man sich bei einer Kenterung nicht verwickelt und Luft bzw. Wasser eindringt. Außerdem braucht man auch im günstigsten Fall einige Sekunden mehr zum Aussteigen... Nicht empfehlenswert! Auftriebskörper sind besser." (Quelle: Herbert Rittlinger, 1977)

Zum Thema 'Sicherung in schwerem Wildwasser' schreibt Herbert Rittlinger 1977 folgendes:
"Auf schwerem Wildwasser wird heute nur noch gepanzert gefahren: mit Tauchanzug und Sturzhelm. Schön sieht so ein Plastik-Monstrum auf dem Kopf nicht aus. Trotzdem gehört es dazu.

Ich selbst habe mich inzwischen zum Sturzhelm bekehrt und setze ihn vor schweren Stellen auch auf - wenn ich ihn nicht vergessen habe. Früher hatte ich nie einen aufgehabt, weder in der Gstatterboden Gefällstufe noch im Wächterschwall und anderen V-er-Stellen.... Damit sind zugleich auch die Gebiete umrissen, auf denen der Plastikhelm seine Berechtigung hat - und wo nur in Ausnahmefällen.

Anders die Rettungsweste: Zwar vergessen wir regelmäßig, die anzulegen - aber mit haben wir sie immer. (Nur reingefallen bin ich immer mit 'ohne')
Auf allen Wildwasserrennen ist sie Vorschrift. Mit Recht. Auch ich erkläre kategorisch: Auf schweres Wildwasser nur mit Rettungsweste! Gewiß unzählige verwegene Fahrten sind auch ohne den Schutz einer Rettungsweste gemacht worden und prächtig gelungen..."



Foto links: Schwimmwestenmodell der 1950er Jahre (Sepp Schächner, Enns 1953)
Foto rechts: Schwimmwestenmodell von Franz von Alber aus Spittal a.d. Drau

"Es gibt ganz einfache Schwimmwesten, die wenig behindern, und die als primärer Schutz ihren Zweck vollauf erfüllen. Sie sind auch am verbreitetsten. Eine größere und teurere - aber meiner Ansicht nach auch die noch immer vollkommenste - ist die von Franz von Alber aus Spittal an der Drau entwickelte und seit 1953 bewährte 'Stehaufweste' mit Kopfabstützung." (Quelle: Herbert Rittlinger, 1977)

Fotos unten MODERN AUSGERÜSTETE PADDLER im Jahr 1983 mit 'Selbstbauboot' bzw. Taifun Alpin, Helm, Rippenschwimmweste, Faßl-Paddel in 'Übergröße' und auch damals schon mit Wurfsack.



Bericht: Ilse Entner, 10/2006



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