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Archiv 2010

Sommerzeit - Paddelzeit

Wenn im Sommer die Sonne vom Himmel brennt, dann zieht es die Leute in Scharen in die Freibäder und an die Badeseen, die dann oft restlos überfüllt sind. Als sehr interessante Alternative bietet sich gerade in unserer Gegend eine Kanufahrt an. Schließlich verfügen wir mit Salzach, Inn und Alz sowie den Voralpenseen über ein ausgesprochen vielfältiges und interessantes Paddelrevier in wunderschöner Landschaft.

Nehmen wir den Inn. Von der österreichischen Grenze ab fließt er zunächst über mehrere Stauseen bis zum Kraftwerk Jettenbach. Dort wird der Großteil des Wassers abgezweigt und über einen Kanal zum Kraftwerk Töging geleitet. Nach getaner Arbeit kommt das Wasser dann unterhalb von Mühldorf wieder ins eigentliche Flussbett zurück, in dem bis dahin nur die 'Restwassermenge' fließt.

Seit vor einigen Jahren die Mindestrestwassermenge deutlich erhöht wurde, kann die Strecke während des ganzen Sommers befahren werden. Vorsicht ist hier allerdings an den ca. 15 Sohlstufen geboten. Bei wenig Wasser kann man leicht auf einen der scharfkantigen Steine auffahren und das Boot beschädigen, bei viel Wasser trifft man auf kräftige Wellen und starke Verwirbelungen, die eine sichere Bootsbeherrschung voraussetzen.



Sohlschwelle zwischen Jettenbach und Mühldorf

Auf der übrigen Strecke bildet der Inn eine Kette von Stauseen, die bei Normalwasser problemlos befahren werden können. Vor den Kraftwerken befinden sich deutlich gekennzeichnete Ausstiegstellen (Pfeil aus dem Wasser heraus) und hinter den Kraftwerken ebenfalls gut gekennzeichnete Wieder-Einstiegstellen (Pfeil ins Wasser hinein). Dazwischen muß man sein Boot mehr oder weniger weit tragen. Ein zusammenklappbarer oder leicht zerlegbarer Bootswagen kann einem da so manche Schinderei ersparen. Nur die Kraftwerke am Inn unterhalb der Salzachmündung stellen an den Ein- und Ausstiegstellen eigene Bootswägen zur Verfügung.



Ausstiegstelle am Kraftwerk Neuötting

Wir Paddler des SVWacker sind schon öfter von Burghausen bis Passau gepaddelt. Mit einem Kajak kann man das bequem an zwei Tagen schaffen. Über weite Strecken glaubt man völlig allein zu sein. Man gleitet ruhig dahin und hat sehr schnell den Streß und die Hektik des Alltags vergessen. Dichte Auwälder mit von Bibern gefällten Bäumen am Ufer lassen bisweilein die Illusion aufkommen, man sei an einem Nebenfluss des Amazonas. Seit einigen Jahren kann man im Stausee oberhalb von Obernberg mit etwas Glück sogar einen Flamingo entdecken.



Amazonas, oder doch nur Innspitz?

Die Salzach ist Deutschlands letzter frei fließender Voralpenstrom. Wenn man an der Saalachbrücke am Grenzübergang Freilassing-Salzburg einsetzt erreicht man nach gut zwei Kilometern die Salzach und kann auf ihr durchgehend bis zur Mündung in den Inn paddeln. Man sollte aber auf keinen Fall in Salzburg einsetzen, da sich im Süden der Stadt eine absolut tödliche künstliche Stufe befindet. Auf dieser Strecke besteht auch ein offizielles Fahrverbot.

Im vergangenen Winter wurde kurz oberhalb von Laufen eine 2m hohe Sohlstufe eingebaut um einen größeren Sohldurchbruch der Salzach zu verhindern. Diese Stufe besitzt eine fahrbare Durchfahrtsgasse, die aber nur von Bootfahrern benutzt werden sollte, die ihr Boot wirklich beherrschen und sauber manövrieren können. Andernfalls läuft man Gefahr die Durchfahrt zu verfehlen, oder aus ihr hinausgedrängt zu werden und im schweren Wildwasser zu landen.

Eine Gefahr, der sich die wenigsten Gelegenheitspaddler bewußt sind, ist die Temperatur des Wassers. Sowohl Inn als auch Salzach erhalten einen Großteil ihres Wassers aus Gletschern. Entsprechend kalt ist ihr Wasser dann selbst im Hochsommer. Ein nur mit der Badehose bekleideter Schwimmer kühlt sehr schnell aus. Seine Bewegungen werden träger, er kann nicht mehr schwimmen und ertrinkt. Das geht viel schneller als man gemeinhin glaubt. Besonders leicht passiert das, wenn der Gekenterte durch die Bergung von Boot und Paddel beim Erreichen des Ufers auch noch behindert wird.



Salzach kurz vor Burghausen

Ein weiteres Fluss-Highlight bei uns ist die Alz. Sie kommt aus dem Chiemsee und führt wie dieser warmes Badewasser. Die erste Strecke vom See heraus bis Truchtlaching kann jedem, auch Anfängern, empfohlen werden.



Alz vor Truchtlaching

Dann aber wechselt die Alz ihren Charakter. Bis Altenmarkt kommen zwei Wehre und immer wieder leichte Schwälle, die für sich garnicht schlimm wären, aber häufig zieht die Strömung unter überhängende Bäume hinein oder Wurzeln strecken ihre 'Fangarme' nach den Paddlern aus. Erfahrene Paddler meiden ins Wasser ragende Äste, Bäume und Wurzeln wie die Pest, denn sie sind eines der gefährlichsten Hindernisse beim Paddeln. Sie 'sieben' den Paddler, der sich in ihnen verhängt, buchstäblich aus und drücken ihn unter Wasser. Ein Entkommen ist dann oft nicht mehr möglich. Wegen eines derartigen Unfalles mit tödlichem Ausgang ist dieser Teil der Alz auch derzeit (2010) für Befahrungen gesprerrt. Das Wasserwirtschaftsamt arbeitet an einer Verbesserung der konkreten Gefahrensituation, ein Restrisiko wird aber immer bleiben.

Ausgesprochen 'hinterfotzig' sind auch die Reste von Holzpfählen inzwischen verfallener Stege. Sie sind aufgrund ihrer geringen Wasserverdrängung auch für erfahrene Paddler nur schwer zu erkennen und wurden deshalb leider schon so manchem zum Verhängnis. Auch solche Hindernisse gibt es auf dieser Strecke.

Auf die Alz unterhalb von Trostberg will ich hier nicht mehr eingehen. Diese Strecken, deren Schwierigkeit stellenweise Wildwasser II erreicht, werden nur selten befahren.

Hier noch schnell eine Bemerkung zu den Flussführern. Diese sind nach besten Wissen und Gewissen erstellt. Sie können aber nicht immer auf dem letzten Stand sein, da sich Flüsse bei jedem Hochwasser verändern, Einbauten vorgenommen werden, die nicht zwangsläufig an die Kanuverbände weitergegeben werden, oder eben ein Uferbaum gerade erst ins Wasser gefallen ist. Eine im Flussführer als 'leicht' beschriebene Stelle ist auch nur auf der 'richtigen' Durchfahrt leicht. Wer die nicht erkennt und trifft kann eine böse Überraschung erleben. Flussführer sind generell für Normalwasser geschrieben. Bei Hochwasser kann selbst eine 'leichte' Stelle schnell 'sehr gefährlich' werden. Also bitte bei Hochwasser am Ufer bleiben.

Paddeln ist ein wunderschöner Sport und wir haben die besten Voraussetzungen direkt vor unserer Haustüre. Man darf aber die Gefahren, die bei einer Befahrung von Flüssen und Seen immer mit im Boot sitzen, nicht ignorieren (oder garnicht kennen), sonst wird aus einer fröhlichen Freizeitbeschäftigung schnell tödlicher Ernst.

Es ist nicht möglich in diesem Artikel alle vom Wasser ausgehenden Gefahren zu schildern und noch weniger kann man damit die notwendige Bootsbeherrschung vermitteln. Wer wirklich sicher paddeln will, der sollte einen Paddelkurs absolvieren. Gelegenheit dazu bieten beispielsweise die alljährlich im Frühjahr stattfindenende Paddelkurse des SVWacker Burghausen.

Text: Helmut Hacker, SVWacker Burghausen
Fotos: Helmut Hacker und Ilse Entner
Bericht: Ilse Entner, 08/2010

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